Kommunale Gestaltungsräume nutzen
Auf der Gemarkung der Gemeinde Schöffengrund wurde im Teilregionalplan Energie kein Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen. Das bedeutet aber nicht, dass die Gemeinde generell auf die Nutzung von Windenergie verzichten muss: Seit Januar 2024 erlaubt eine neue Rechtslage auf Bundes- und Landesebene den hessischen Kommunen die sogenannte „Positivplanung“. Per Beschluss der Gemeindevertretung kann eine Kommune eigenständig ein Bauleitplanverfahren einleiten, um Flächen für Windenergieanlagen gezielt auszuweisen – beispielsweise, um die lokale Energiewende mitzugestalten, progressive Energiekonzepte für die Anwohnerinnen und Anwohner anzustreben sowie wichtige Einnahmen für die Gemeindekasse zu generieren.
Vor diesem Hintergrund hatte die Gemeindevertretung im November 2025 das Büro Mathes Ingenieure PartG mbB damit beauftragt, das Gemeindegebiet im Rahmen einer Machbarkeitsstudie auf potenzielle Eignungsflächen hin zu untersuchen.
Das Ergebnis der Analyse: Zwei Potenzialflächen bei Oberwetz empfohlen
Bürgermeister Michael Peller unterstrich zu Beginn der Veranstaltung, dass Politik und Verwaltung die Debatte über diese Ergebnisse von Anfang an transparent und öffentlich führen wollen. Unterstützung erhielt die Gemeinde bei der Ausrichtung des Abends von der LEA LandesEnergieAgentur Hessen.
Jörg Mathes vom beauftragten Ingenieurbüro stellte die Ergebnisse der Analyse vor. Diese wurde auf Basis frei verfügbarer und öffentlich einsehbarer Daten nach gesetzlichen Vorgaben erstellt. Insgesamt wurden im Gemeindegebiet fünf theoretisch mögliche Standorte identifiziert. Die Machbarkeitsstudie priorisiert aufgrund der guten Höhenlage (Windhöffigkeit) und der Beschaffenheit der Waldflächen (Nadelwald) zwei Potenzialflächen: Fläche 1: Südöstlich von Oberwetz, Fläche 2: Südwestlich von Oberwetz. Auf jeder dieser beiden Flächen könnten rechnerisch maximal drei Windenergieanlagen errichtet werden.
Wie geht es weiter? Nächste Schritte und Kosten
Der Bericht macht deutlich: Die Studie ist ein erster theoretischer Prüfschritt. Sollten die politischen Gremien der Gemeinde beschließen, die Planungen auf diesen Flächen tatsächlich weiterzuverfolgen, müssen umfassende, detaillierte Prüfungen und Gutachten (u. a. zum Natur- und Artenschutz) eingeholt werden.
Für die Bürgerinnen und Bürger besonders wichtig: Die Finanzierung dieser aufwendigen Folgegutachten soll nicht die Gemeinde belasten. Wie Eike Vollstedt, Fachdienstleiterin Bauen, erklärte, ist vorgesehen, dass diese Kosten durch den späteren Projektierer der Anlagen getragen werden.
Zudem prüft Schöffengrund derzeit die Optionen einer interkommunalen Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden Hüttenberg und Langgöns, die Windräder an der Grenze zu Schöffengrund bauen wollen, um unter anderem bei der Auswahl eines Projektierers und der späteren Bürgerbeteiligung planerische und wirtschaftliche Vorteile auszuschöpfen. Erik Hundertmark von der LEA erläuterte den Anwesenden hierzu verschiedene rechtliche und organisatorische Wege einer kommunalen Zusammenarbeit und verwies auch auf erfolgreiche Beispiele hessischer Kommunen.
Emotionaler, aber konstruktiver Austausch auf Augenhöhe
Dass das Thema Windenergie die Menschen in der Region bewegt, zeigte sich in der anschließenden, sehr emotional geführten Diskussion. Moderiert von Dr. Charis Stoica vom Bürgerforum Energiewende Hessen, kam dabei das sogenannte „Fishbowl-Format“ zum Einsatz. Dieses ermöglichte es den Bürgerinnen und Bürgern – die überwiegend aus Oberwetz, aber auch aus den Nachbarkommunen Langgöns und Hüttenberg nach Schwalbach gekommen waren – in einem inneren Diskussionskreis direkt und auf Augenhöhe mit den Gemeindevertreterinnen und -vertretern sowie Fachexperten zu debattieren.
Joachim Hirschkorn, Sprecher der Bürgerinitiative „Gegenwind“ aus Oberwetz, sowie zahlreiche weitere Bürgerinnen und Bürger äußerten deutliche Bedenken. Im Zentrum der Kritik standen dabei folgende Punkte: Die optischen Auswirkungen durch die Höhe moderner Anlagen, die Sorge über mögliche Belastungen der Anwohnenden durch Geräuschentwicklung und Schattenwurf, die Unberührtheit des Waldes, auch im Hinblick auf kommende Generationen, sowie die Vereinbarkeit mit dem Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ und Belange des lokalen Artenschutzes. Zudem wurden allgemeine Herausforderungen der Energiewende diskutiert – darunter der Netzausbau sowie das Zusammendenken von Erzeugung und Verbrauch.
Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Andreas Wilnauer, und weitere Gemeindevertreter unterstrichen, dass auch sie in diesem Spannungsfeld stehen. Umso wichtiger ist für sie, anstehende Entscheidungen sachlich, fundiert und weitestgehend emotionsfrei zu treffen. Dem schloss sich Hüttenbergs Bürgermeister Oliver Hölz an: Er betonte die Notwendigkeit einer sachlichen Prüfung und verwies auf die Verantwortung der Kommunen, stabile Einnahmen zu generieren, um ihre öffentlichen Aufgaben verlässlich erfüllen zu können.
Ausblick
Zum Abschluss sicherten Bürgermeister Peller und Andreas Wilnauer zu, die geäußerten Argumente der Bürgerschaft in die anstehenden politischen Gremiensitzungen mitzunehmen.
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