Bürgerforum Energiewende Hessen im RP Giessen

Das Bürgerforum in Mittelhessen
(Regierungspräsidium Gießen)

Erneuerbare Energien in Mittelhessen - das Bürgerforum unterstützt Kommunen in den Landkreisen Limburg-Weilburg, Lahn-Dill, Gießen, Marburg-Biedenkopf und den Vogelsbergkreis im frühzeitigen Dialog beim Ausbau von Wind-, Wasser- und Solarenergie.

Dialogveranstaltung "Verlässlich und erneuerbar: Zukunft der Energieversorgung in Langgöns – Windkraft eine Option?" am 21.10.2025

Rund 140 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich an der Informations- und Dialogveranstaltung zur möglichen Windenergienutzung in Langgöns im Bürgerhaus Niederkleen. Im Mittelpunkt stand das im Teilregionalplan ausgewiesene Vorranggebiet für Windenergie. Die Gemeinde prüft derzeit, ob und unter welchen Bedingungen eine Nutzung dieser Flächen möglich ist.

 

 

Bürgermeister Marius Reusch betonte zu Beginn, dass es darum gehe, „Impulse zu sammeln“ und frühzeitig in einen offenen Austausch einzutreten. Vor dem Hintergrund veränderter energiepolitischer Rahmenbedingungen sei es wichtig, sich vor Ort aktiv mit den Möglichkeiten erneuerbarer Energien auseinanderzusetzen. Impulse hierfür gab es von drei Referentinnen und Referenten: Erik Hundertmark von der LEA betonte in seinem Vortrag, dass die Energiewende eine Chance für den ländlichen Raum sein kann, wenn die Kommune eine aktive und steuernde Rolle übernimmt. Einen Überblick über Ziele, Potenziale und aktuelle Überlegungen im Landkreis und der Gemeinde gaben die Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Langgöns, Larissa Winter, und Dr. Rütger Rollenbeck vom Landkreis Gießen. Evelina Kuranel, Leiterin des Büros für Bürgerbeteiligung in Gießen, berichtete von ihren Erfahrungen mit der kommunalen Zusammenarbeit von Gießen, Buseck und Fernwald bei der Entwicklung des Windparks Fernewald.

Im Anschluss entwickelte sich eine engagierte und teils kontroverse Diskussion. Im sogenannten „Fishbowl-Format“ kamen Bürgerinnen und Bürger direkt mit Vertreterinnen und Vertretern der Kommunalpolitik, der Verwaltung und den Referentinnen und Referenten ins Gespräch. Diskutiert wurden unter anderem Fragen der Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit sowie mögliche Auswirkungen auf den Wald, die Landschaft und das Lebensumfeld.

Deutlich wurde dabei auch die Rolle der Gemeinde: Der Bürgermeister machte sinngemäß klar, dass Langgöns die Entwicklung aktiv mitgestalten wolle – nicht zuletzt, um Einfluss auf mögliche Projekte zu behalten und lokale Wertschöpfung zu sichern. Zudem wird eine Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Hüttenberg geprüft, um mögliche Synergien bei der Planung eines Windparks zu nutzen.

Die Veranstaltung verdeutlichte, dass das Thema Windenergie in Langgöns auf großes Interesse stößt und intensiv diskutiert wird, aber auch Bedenken in der Bevölkerung auslöst. Der Bürgermeister und die Gemeindevertretung sicherten zu, den weiteren Prozess transparent zu gestalten, um einen möglichst breiten Konsens zu erreichen.

Präsentationen zum Downloaden:

Energiewende als Chance für Kommunen LEA LandesEnergieAgentur Hessen

Energiewende im Landkreis Gießen und in Langgöns: Ziele, Potenziale und aktuelle Überlegungen Gemeinde Langgöns, Landkreis Gießen

Projektvorstellung Windpark Fernewald Gemeinde Buseck/Fernwald, Stadt Gießen

Der Photovoltaik-Park Ochsenmahr in Langgöns – öffentliche Informationsveranstaltung mit Exkursion" am 22.05.2024

Auf einer etwa acht Hektar großen Fläche in Langgöns soll ein Freiflächen-Photovoltaik-Park entstehen. Rund 30 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung der Gemeinde und des Bürgerforums zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung am 22. Mai 2024 ins Bürgerhaus Langgöns. Anschließend konnten sich die Teilnehmenden bei einer Exkursion selbst ein Bild von der geplanten Fläche machen.

 

Bürgermeister Marius Reusch und Tobias Doerk vom Bereich Erneuerbare Energien bei der OVAG erläuterten zu Beginn der Veranstaltung die Hintergründe und Planung des Vorhabens sowie Möglichkeiten der finanziellen Bürgerbeteiligung.

Der erste Photovoltaikpark in Langgöns soll 10.000 Megawattstunden pro Jahr erzeugen und damit den Jahresstrombedarf von ca. 2850 Dreipersonenhaushalten decken sowie 4340 Tonnen CO2-Emissionen einsparen. Mit seiner Leistung wird er den Anteil an Solarstrom in Langgöns verdoppeln und den bisher einzigen Solarpark im Landkreis Gießen „Hohe Warte“ um 40 Prozent übertreffen. In seinem Vortrag betonte Tobias Doerk, dass die Solarenergie aus Sicht der OVAG einen wichtigen Beitrag zum Strommix der Zukunft leistet. Nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) von 2023 soll der Zubau der Photovoltaik bis 2030 verdreifacht werden, was nur unter Einbeziehung von Acker und Grünland erreicht werden kann.

Bürgermeister Reusch wies insbesondere auf die Eignung der Fläche hin. „Die Gemeinde hat ihre Entscheidung nach einer Standort-Analyse gründlich abgewogen: Die Lage des kommunalen Grundstücks an der Autobahn, die Ausrichtung nach Süden und der nahe Netzanschluss am Umspannwerk in Leihgestern, die geringe Einsehbarkeit und die relativ geringen Bodenwerte von 28-62 bei durchschnittlich 70 in der Gemeinde, sprechen für diesen Standort.“

Eine Besonderheit ist die geplante Kooperation zwischen der Gemeinde und der OVAG. Mit einer eigens hierfür gegründeten Gesellschaft wollen beide gemeinsam Verantwortung für das Projekt übernehmen. Die Wertschöpfung soll der Gemeinde Langgöns durch gesicherte Erträge aus dem Pachtentgelt und einer wirtschaftlichen Beteiligung am Gesellschaftsergebnis zugutekommen. Auch an eine finanzielle Beteiligung für die Bürgerinnen und Bürger von Langgöns, z. B. in Form eines Solarbriefs, ist gedacht.

Bis die Anlage in Betrieb gehen kann, wird es noch mehr als zwei Jahre dauern: Derzeit finden die artenschutzrechtlichen Kartierungen statt. Im Herbst soll ein Bebauungsplanverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit eingeleitet werden. Die Baugenehmigung wird für das Frühjahr 2026 angestrebt. In Betrieb gehen soll die Anlage dann Ende 2026.

Nach dem Vortrag konnten die Teilnehmenden an Infoständen im Saal im persönlichen Gespräch mit den anwesenden Fachleuten, so auch die Klimaschutzmanagerin der Gemeinde, Susanne Schmitt, und den Klimaschutzkoordinator des Landkreises Gießen, Dr. Rütger Rollenbeck, sowie am Stand der LEA ihre Fragen klären, bevor die Exkursion zur Fläche im Ochsenmahr startete. Vor Ort konnten sich die Teilnehmenden dann selbst ein Bild von der Eignung der Fläche machen. Hier gab es auch noch Hinweise der Teilnehmenden der Exkursion, z. B. hinsichtlich des Schutzes von Reh- und Kleinwild.

Hintergrund:

Als eine von über 380 hessischen Klima-Kommunen verfolgt die Gemeinde Langgöns das Ziel, bis 2040 CO2-neutral zu werden. Neben der Reduktion des Energieverbrauchs sollen auch erneuerbare Energieträger verstärkt eingesetzt werden. Auf zahlreichen Gebäudedächern und an Balkonen wird in den Ortsteilen bereits aus Sonnenergie Strom gewonnen. Für die Zielerreichung müssen jedoch weitere Anstrengungen unternommen werden. Eine weitere Möglichkeit für klimafreundliche Stromerzeugung bieten Freiflächen-Photovoltaikanlangen auf Grünland- und Ackerflächen in der Gemarkung.

Nach dem Beschluss der Gemeinde im Jahr 2022 konnte die Gemeinde die Oberhessischen Versorgungsbetriebe AG (OVAG) als lokalen Energieversorger dafür gewinnen, gemeinsam in Form einer neu gegründeten Gesellschaft den Photovoltaik-Park auf einer etwa acht Hektar großen Fläche im Ochsenmahr in Langgöns zu planen.